Weiter wenig Frauen in den Chefetagen kommunaler Unternehmen

16.07.2019

Das ist das Ergebnis einer deutschlandweiten Studie, die von einem Forscherteam um ZU-Professor Ulf Papenfuß erstellt wurde

Die Chefetagen öffentlicher Unternehmen bleiben wie in der Privatwirtschaft in Baden-Württemberg weiterhin eine Männergesellschaft – Frauen sind dort eine Seltenheit. Sie besetzen gerade einmal 17,3 Prozent oder nur jede sechste Stelle im Top-Management von öffentlichen Unternehmen auf kommunaler Ebene. Im Vergleich aller 16 Bundesländer mit einem Durchschnittswert von 19,3 Prozent kommt Baden-Württemberg damit auf den 11. Platz. Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist übergreifend ein Anstieg von Frauen in Top-Managementpositionen öffentlicher Unternehmen um 1,3 Prozentpunkte festzustellen, jedoch mit großen Unterschieden bei den Entwicklungen im Städtevergleich. Dies geht aus einer Studie der ZU hervor.


„Der öffentlichen Hand und den öffentlichen Unternehmen wird in der Diskussion um Frauen in Führungspositionen eine Vorbildfunktion zugewiesen“, erklärt Professor Dr. Ulf Papenfuß, Inhaber des Lehrstuhls für Public Management & Public Policy an der ZU, den Hintergrund der Studie, die dazu beitragen möchte, „in der Debatte zu öffentlichen Unternehmen noch gezielter die Repräsentation von Frauen in den Top-Managementorganen in den Blick zu nehmen“.


Und genau dies haben Papenfuß und sein Forscherteam mit der vom Zentrum für Management und Personalberatung in Bonn geförderten Studie getan. Im April und Mai haben sie in allen 16 Bundesländern die Daten von 69 Städten und 1.463 Unternehmen mit 2.180 Führungskräften auf Frauen in leitenden Organen wie Geschäftsführung, Geschäftsleitung, Vorstand, Aufsichtsräten und Verwaltungsräten durchleuchtet. Einbezogen waren neben den Landeshauptstädten und den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen auch die jeweils vier größten Städte der Länder. Das Forscherteam richtete dabei den Blick auf insgesamt 20 Branchen, an denen die öffentliche Hand beteiligt ist, wie etwa Abfallwirtschaft, Bäder, Banken und Finanzwesen, Gesundheit und Soziales, Messen, öffentlicher Personennahverkehr oder Stadtwerke.


Den höchsten Anteil an Frauen im Top-Management erreichten dabei – neben den Stadtstaaten Berlin (40,3 Prozent) und Bremen (23,5 Prozent) – die Städte ostdeutscher Bundesländer: in Brandenburg (26,1 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (25,4 Prozent), Thüringen (25 Prozent) und Sachsen (22,1 Prozent). Schlusslicht bilden die Städte in Niedersachsen (11,7 Prozent) vor Rheinland-Pfalz (9,3 Prozent) und Schleswig-Holstein (8,1 Prozent).


In der Studie der 69 untersuchten Städte belegt von den baden-württembergischen Städten wie im Vorjahr Freiburg mit einem Anteil von 33,3 Prozent einen Platz an der Spitze und Karlsruhe mit 21,2 Prozent einen Platz in der oberen Hälfte . Mannheim (16,7 Prozent), Stuttgart (9,4 Prozent) und Heidelberg (6,3 Prozent) sind mit unterdurchschnittlichen Anteilen im Vergleich deutlich abgeschlagen. Unverändert im Vergleich zum Vorjahr waren Offenbach am Main mit 54,5 Prozent sowie Greifswald mit 40 Prozent die Städte mit dem höchsten Anteil. Neu in der Spitzengruppe sind – durch die Neubesetzung von Top-Managementpositionen mit Frauen – neben Berlin (40,3 Prozent) die Städte Brandenburg a. d. Havel (36,8 Prozent ) und Rostock (36,1 Prozent ).


„Die Zahlen und Veränderungen der Repräsentation von Frauen im Vorjahresvergleich dokumentieren, dass – abgeleitet von den selbst formulierten Zielen – in vielen Städten nach wie vor großer Handlungsbedarf bei den kommunalen Unternehmen besteht“, resümiert Papenfuß. „Einige Städte mit einer bereits vergleichsweisen hohen Repräsentation von Frauen gehen weiter mit Beispiel voran und verzeichnen einen weiteren Anstieg bei Frauen in Top-Managementpositionen. Hingegen ist gerade bei Städten, die bereits im Vorjahr eine vergleichsweise geringe Repräsentation vorzuweisen hatten, teilweise sogar eine rückläufige Anzahl an weiblichen Top-Managementmitgliedern festzustellen. Gerade für öffentliche Unternehmen ist die öffentliche Hand gehalten, durch konkrete Maßnahmen ihre gesellschaftspolitische Vorbildfunktion und ihre Einflussmöglichkeiten als Eigentümerin wahrzunehmen.“


Die vollständige Studie zum Nachlesen unter puma.zu.de